Kirchliche Erprobungsräume sind als Lernfeld enorm vielseitig. Sie wirken auf die Ausführenden anders als auf die Teilnehmenden, deshalb stellt impaekt den Fokus in beide Richtungen scharf. Wirkungsanalystin Cyra Gendig verrät, wie.
„Licht & Beton“ ist ein missionarisch aufsuchendes Projekt der Evangelischen Landeskirche Hannover (EVLKA), gefördert durch deren Initiative Missionarische Aufbrüche (I:MA). Konzipiert haben es drei junge Pfarrpersonen, Linda Schmols, Emelie Tille und Jan-Philip Tegtmeier. Zielgruppe sind junge Erwachsene zwischen Ende 20 und 40 Jahren, Millenials. Eine Generaion, die in gemeindlichen Angeboten wenig vorkommt. Dort setzt „Licht & Beton“ an. „Ich habe mich gefragt, ob es anderen auch so geht wie mir, dass ich einen Safe Space suche für bestimmte Themen“, begründet Linda Schmols. Sie, Emelie und „JP“ sind selbst Millennials, das macht den Aufbruch authentisch.
impaekt-Mitarbeiterin Cyra Gendig hat das Format „Stadtteilspaziergänge“ als teilnehmende Beobachterin begleitet. Diese sozialwissenschaftliche Anaylsemethode stellt die Wirkziele, die das Team zuvor mit impaekt abgestimmt hatte, auf den Prüfstand. Spannend daran: Cyra kennt die Sicht der Ausführenden, nimmt als Teilnehmerin aber auch die Perspektive der Gäste ein und wahr.
Junge Erwachsene verbrachten einen Nachmittag miteinander, unterwegs im Stadtviertel, ohne Voraussetzungen aber mit Titel. „Loslassen“ und „Neuanfang“ waren die Themen, auf die sich jede und jeder einlassen konnte. Gefunden hatte sich die Gruppe über persönliche Kontakte und Weitersagen. Eine eigene Webseite hat „Licht & Beton“ noch nicht.
Gäste mit konfessionellem und nicht-konfessionellem Hintergrund ließen sich einladen. Den Ausklang bildete ein gemeinsames Abendessen in ungewöhnlicher Kulisse, auf einer Kirchenempore. „Dem Team ist durch Präsenz und Authenzitität ein gutes Setting gelungen“, beschreibt Cyra Gendig. Die Teilnehmenden nannten sowohl eine ästhetische Erfahrungen als auch eine spirituelle, wobei Theologie als diskret – daher besonders einladend – empfunden wurde. Linda Schmols und Emelie Tille waren als Pfarrerinnen ansprechbar, „aber eben nahbar, ohne Amtsrahmen. Die hohe Erlebnisqualität passt zum Wirkziel, einladend Kirche zu sein“, fasst Cyra Gendig zusammen.
Ein Wirkziel ist der Community-Ansatz von „Licht & Beton“, weg von der Pfarrzentrierung. Dazu kann impaekt noch keine finalen Aussagen treffen: „Das Projekt ist erst gestartet, die Zielrichtung aber eindeutig: Dass die Teilnehmenden künftig aktiv einbezogen werden und Angebote mitgestalten. Das ist als Perspektive klar, hat bei den ersten Veranstaltungen aber noch keine Rolle gespielt. Hier hat das Team den Ablauf gerahmt, wenngleich locker.“ Wirkziele sind nicht in Stein gemeißelt, sie können je nach Datenlagen angepasst werden.
Im Best Case wächst die Schnittmenge zwischen den Wirkzielen, die das Team formuliert und die impaekt evaluiert, und dem Ergebnis, den Wirkannahmen. I:MA-Referent Torsten Pappert sieht darin großes Potential, (zu-)hörend Kirche zu sein:
„Licht & Beton“ lebt von einer radikal erprobenden Haltung, die auf tiefe Gemeinschaft zielt, ohne zu vereinnahmen oder in einer Struktur binden zu wollen. Konsequenterweise verbindet sich damit die Suche nach neuen Rollenbeschreibungen für Pfarrpersonen jenseits lange funktionierendem, aber brüchig gewordenen pastoralen Amtsverständnis.“