Ulrich Meyer-Höllings (Foto: privat) ist einer der Experten im Bereich soziales Unternehmertum (Social Entrepreneurship) und bringt zwei Jahrzehnte Erfahrung in strategischer Organisationsentwicklung mit. Er wird am 18. Januar die impaekt-Innovationskonferenz leiten. Der Benefit: Ulrich weiß, „Strukturen sind wichtig, aber unsexy“, und ohne Menschen keine Innovation. Was er vor hat ist, „Elefanten zum Tanzen zu bringen“. Ulrich verantwortet die Bereiche Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising im Ev.-luth. Missionswerk (ELM) Niedersachsen.
Kirchliche Erprobungen stellen seit Jahren die Weichen für die organisationale Erneuerung. Es fährt vielleicht auch mal ein Zug dort entlang. Jetzt muss die Strecke in den Fahrplan aufgenommen werden. Dass ist die eigentliche Herausforderung. Ich sage dazu: „Den Elefanten zu Tanzen bringen.“ Die Bewegung braucht Anlauf. Riskant ist sie auch. Vielleicht deshalb investiert Kirche in ihre strategische Organisationsentwicklung eine im Verhältnis geringe Summe im einstelligen Bereich. So ein Landeskirchenhaushalt hat überwiegend Ausgaben für den Bestand. Das sind vergangenheitsbezogene Kosten. Die Folge ist, dass es Erprobung häufig gar nicht bis ins Zentrum der Organisation schafft. Sie sind strategisch nicht abgesichert. Genau das will ich ändern. Innovation strategisch denken.
Wirkung braucht Verantwortung. Die liegt bei der Zentrale einer Organisation. Also auch im Zentrum kirchlicher Leitung. Punktuelles Ausprobieren reicht nicht mehr. Kirche muss klären, welche Innovationsarchitektur wirklich zu ihr passt – damit aus einzelnen, bisher überwiegend isolierten Modellprojekten eine lernfähige Gesamtorganisation wird. Das klingt einfach, fällt einem staatsanalogen System wie Kirche eins ist aber schwer. Unternehmertum ist hier nicht vorgesehen, gleichzeitig erwarten die Kirchenleitungen sozialunternehmerische Ergebnisse. Wie geht das?
Mit SPROK. So heißt ein Modell aus der Wirtschaft, mit dem ich gerne arbeite, denn es überzeugt mich. Jeder Buchstabe steht für einen Abschnitt. Vereinfacht könnte man sagen: SPROK macht die Vision einer Kirche von morgen greifbar, (er-)klärt ihre Haltung und verteilt die Aufgaben. S wie Strategie; P wie Prozess; R wie Ressourcen; O wie Organisation; und K wie Kultur. Das meint auch Haltung.

Wirkung misst sich nicht allein an Teilnehmendenzahlen. Die entscheidende Frage ist: Wie gelangt das gewonnene Praxiswissen aus den Erprobungen oder den Gemeinden, von der Basis und Rändern also, in die Kernstrukturen, dass sich die gesamte Organisation weiterentwickelt? Kirchenleitung und Kerngeschäft müssen sich bisher kaum messen. Während Erprobungsräume oder kirchliche Aufbrüche gefühlt ständig evaluiert werden, bleiben beispielsweise Gottesdienste außen vor. Warum? Kirche im Kern sollt sich derselben Wirkungslogik unterwerfen wie ihre Kirchenpionier*innen. Agile Strukturen laufen sonst ins Leere, wenn die innere Haltung des Zentrums starr bleibt. Echter Strukturwandel gelingt nur, wenn wir die eigene Selbstführung weiterentwickeln und reflektieren. Das lässt sich mit unternehmerischen Risiken vergleichen, die man eingeht.
Die impaekt-Konferenz „Strategische Innovation“ bietet den geschützten Raum für diesen System-Check: Wo stehen wir als Struktur, mit unseren Ressourcen, ihrer Wirkung und der Kultur unseres Systems – wie entfalten wir das Zukunftspotenzial unserer Kirche? Mit dem SPROK-Ansatz plane ich, dass wir gemeinsam Fragen entwickeln, einen Test, der misst: Sagen wir als Kirche nur, wir sind innovativ – oder (wo) sind wir es schon? Gemeinsam bauen wir ein SPROK-Modell. Wir schauen, wie innovationsreif Kirche ist. Wie viele Termine im Kalender stehen für Innovation? Mit wie vielen Kirchensitzungen konkurrieren sie (noch)? Impaekt stellt das entworfene Modell den Teilnehmenden im Anschluss für ihre praktische Arbeit zur Verfügung.