impaekt macht Wirkung messbar. Muss sich meine Institution jetzt offenbaren? Der Begriff Wirkungsmodell sorgt nicht nur für Euphorie. Er bereitet Teilnehmenden an Evaluationen und Workshops auch Unbehagen. Deshalb begleiten wir den Prozess vollständig mit.
Es darf was entstehen aus der Vision einer vitalen Gemeinschaft. WiViGem, die Abkürzung steht nicht für die Vision einer vitalen Gemeinschaft mit Rechtschreibfehler am Anfang, sondern bezeichnet das Wirkungsmodell der Vitalität religiöser Gemeinschaften. Es unterstützt als Evaluationstool kirchliche Entscheiderinnen und Entscheider dabei, ihre Mittel gut einzusetzen. Das kann Zeit sein, Geld, Arbeitskraft, einzelne Räume oder ganze Immobilien.
„Wir untersuchen was messbar ist, um die eigene Tätigkeit vitaler zu machen“, ordnet Nikta Katsuba ein. Heißt bisweilen auch: Wieder sinnfüllender, in Resonanz mit dem kirchlichen oder diakonischen Auftrag. Katsuba, Sozialwissenschaftler am Zentrum für angewandte Pastoralforschung (zap) der Ruhr-Universität Bochum, hat WiViGem mit entwickelt. Er hält an diesem Nachmittag einen Online-Workshop für kirchlich Mitarbeitende in Leitungsfunktion. Das ist ein Standortvorteil, die Mehrheit von ihnen hat sich bereits mit Wirkungsorientierung auseinandergesetzt.
Allen, die sich langsam herantasten, kann Nikita Katsuba die Angst nehmen: „WiViGem ist ein Tool wie ein Blutdruckmessgerät. Es entscheidet nicht. Es zeigt einen Zustand an.“ Gemessen wird regelmäßig und dann auf den Prozess geschaut, der Gemeinden helfen soll, ihre Zukunft in Worte zu fassen; Beziehung, Leitung, Struktur.
Der US-Theologe Miroslav Volf hat den Begriff des Flourishing (Aufblühens) geprägt. Er definiert vier Bereiche, in denen Gemeinde aufblüht; erstens: Glaubensentwicklung, zweitens: Zukunftsvision; drittens Reichweite in den Sozialraum; und viertens produktives Netzwerken. Daran orientiert sich auch die Methode WiViGem. Ein einfacher (digitaler) Fragebogen gibt kirchlichen Teilnehmenden Aufschluss darüber, wo ihr Pfarrsprengel oder Dekanat steht. Auch, mit welcher Haltung und aus welchem Geist Entscheidungen reflektiert und getroffen werden und wie oder ob sie missionarisch eingebettet sind. Oder nicht.

Nikita Katsuba hat vier Gemeindeprofile erstellt, die jeweils an einer Seite eines Kooordinatensystems liegen. Je nach Lage der erhobenen Daten liegt der Schnittpunkt in einem der Felder: In der „Eventgemeinde“ ist der Name Programm , die „Denkfabrik“ bespricht so intensiv, dass Ideen häufig auf Theoriebene bleiben, die „Verwaltungsgemeinde“ konzentriert sich auf Binnenaufgaben, die „charismatische Gemeinde“ kommt spirituell gut an, aber nicht bei allen. „Die vier Stereotypen sind bewusst zugespitzt, um Bilder zu erzeugen. Es ist nicht böse gemeint“, flicht der Wirkungsanalyst ein.
Die Methode gilt unter den Praktikern als gutes Steuerungsmodell, weil die Evaluation zyklisch durchgeführt wird. Die Daten der Befragung im ersten Jahr werden gesichert und mit der erneuten Umfrage ein Jahr darauf abgeglichen. „Das ist wohl der spannendeste Moment, wenn man sieht, was sich verändert hat?“ erkundigt sich ein Teilnehmer. Nikita Katsuba bejaht. Das Team von impaekt moderiert die Reflektion der Ergebnisse. In welche Richtung kirchlich Leitende ihre Vision „scharfstellen“, bleibt deren Hoheit. Dem großen Begriff Wirkungsmodell nimmt Nikita Katsuba dabei die Brisanz: „Die Vision muss gar nicht so groß gedacht werden.“
Die Teilnahme an der Umfrage – zugeschnitten auf ihren Kontext – „kostet“ kirchlich Mitarbeitende rund eine Zeitstunde. Eine Investition, die Beziehungen und Netzwerke stärkt, nach innen und nach außen. Denn keine Struktur ohne Kultur. WiViGem ist kostenlos, bis 2027 wird das Tool aus Mitteln des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert.