Herforder Synode behält Wirkungsorientierung bei

Daumen hoch für die Wirkungsorientierung in Evangelischen Kirchenkreis Herford.
Die Synode hat sich mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, dass alle Arbeitsfelder Zukunftsszenarien entwickeln, die zwei Ziele in den Blick nehmen: Wirksam bleiben und solvent sein.

Damit folgte die Synode den Ergebnissen der Wirkungsanalyse im September 2025, die von Verwaltungsaufgaben über Gottesdienste bis zu Angeboten für Kinder und Jugendliche evaluiert hat. Die bisherigen Daten sind Ansporn für die Mitarbeitenden, sich aktiv einzubringen, wenn es um die künftige Gestaltung und das Aussehen ihres Arbeitsfelds geht. Das macht es leichter, Veränderungen zu besprechen. Hauptamtliche aller zehn Dienstbereiche wurden befragt, Angebote und Nachfrage verglichen. „Ganz plastisch anhand konkreter Zahlen und nachprüfbarer Aussagen. So wissenschaftlich wie nötig, so konkret wie möglich“, erklärt Superintendent Olaf Reinmuth.

Das erste Szenario gilt für alle: minus 30 Prozent. Zwei Bereiche, Jugendarbeit und Kirchenmusik, haben mehr Geld zu Verfügung, weil sie schon jetzt wirksam sind, hat die Evaluation ergeben. Ihr zweites Szenario bedeutet 15 Prozent weniger, moderatere Kürzungen also. Die übrigen Arbeitsbereiche müssen strenger rechnen und mit 45 Prozent weniger Ressourcen auskommen.

Häkchen dahinter: Kirchenmusik ist ein Arbeitsbereich des Kirchenkreises, der sich selbst trägt, hat die Wirkungsanalyse ergeben.


„Kirchliche Transformationsprozesse haben eine abstrakte Flughöhe“, weiß der Kirchenkreischef. Spardruck einerseits, die traditionelle Wahrnehmung im Arbeitsfeld Kirche, dass alles wichtig ist andererseits, beides treibt die Beschäftigten um und überlagert Entwicklungsperspektiven regiolokaler Kirchenentwicklung. Für die Leitenden ein Spagat.

„Die Realität der eigenen Arbeitsweise anzuschauen, macht alle Welt. Die Kirche geht einen Sonderweg und verteilt Mittel auf der Basis gewachsener Strukturen. Das wollten wir ändern. So entstand die Idee, auf Wirkung zu schauen.“
Die Herforder Strategie straffen, ohne die Teams auf halbem Weg zu verlieren, mit diesem Wirkziel ging der Kirchenkreis in die Evaluation. Für Olaf Reinmuth selbst war die Wirkungsorientierung ein Kurswechsel, den er mittrug. Der ursprünglich eingeschlagene Weg lautete, „alle Arbeitsbereiche gleichmäßig zu kürzen, basierend auf der bewährten Verteilung der Mittel“.

Neben die subjektiven Erfahrungen treten nun valide Zahlen. Sie veranschaulichen die Eigendynamik der verschiedenen Arbeitsfelder der Westfalen und lassen sich zugleich in den erweiterten Kontext wie der sechsten kirchlichen Mitgliedschaftsuntersuchung (KMU) einordnen. Das reduziert den Eindruck willkürlicher Entscheidungen, etwa bei Personal oder der Reduktion kirchlicher Gebäude. Emotional bleibt die Strategie an dieser Stelle trotzdem, denn Kirche ist gelebte Beziehung. Ein neues Büro oder der Wechsel in eine andere Kita, für den Verwaltungsmitarbeiter oder die Erzieherin – und für diejenigen, die mit ihnen zu tun haben – bedeutet das eine Zäsur; Abschiede, vielleicht längere Arbeitswege. „Wenn Wirkungsorientierung an dieser Stelle zeigen kann, dass die Integration von Arbeitsformen Beschäftigung sichert, hilft das, die Umsetzungswehen durchzustehen“, sagt Olaf Reinmuth. Er betont zugleich: „Zahlen sind noch keine Entscheidungen.

Auf der Haben-Seite steht ein Zuwachs an Selbstwirksamkeit, den die Beschäftigten in der Befragung äußerten. Das hat die Synodalen positiv überrascht und entlastet – wo Strategie auf Gestaltungswillen trifft, verändert sich der Ton. Der synodale Beschluss setzt ein Ausrufezeichen dahinter. 2029 wird die Evaluation wiederholt.

Text: Tanja Kasischke // Fotos (2): A. Kröger, Ev. Kirchenkreis Herford

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