Die befragten Mädchen und Jungen im Kirchenkreis Herford der Evangelischen Kirche von Westfalen (EkvW) finden Kirche mehrheitlich gut. Die Kinder denken zwar eher an das Gebäude vor Ort als an die Institution, verbinden damit aber Positives. Das ist ein Ergebnis des Kinderfragebogens, den impaekt erstmals – im Rahmen der Kirchenkreis-Evaluation – eingesetzt hat. Was und wie die jüngsten Teilnehmenden der Wirkungsstudie antworteten, war für alle Seiten ein aufregender Prozess.
„Ich war noch nie so gespannt wie vor dieser Feldphase“, sagt Wirkungsforscher Nikita Katsuba. Der Kinderfragebogen hat das impaekt-Team ganz neu konzipiert. Anders als bei den bisherigen Befragungen, die sich an Teilnehmende ab 18 Jahren gerichtet hatten, konnten er und Kollege Gero Menzel diesmal nicht auf Bewährtem aufbauen. Neue Zielgruppe, neue Methode: In Herford tat sich bei der 2025 gestarteten Evaluation, mit welcher der Kirchenkreis seinen Zukunftsprozess durch alle Arbeitsfelder hindurch wirkungsorientiert analysiert, eine Lücke auf: Formate für Kinder und Jugendliche waren unzureichend darstellbar, weil diejenigen die sie nutzten minderjährig und damit von der Befragungsteilnahme ausgeschlossen waren. Dass dieser wichtige Arbeitsbereich nicht bilateral, als Angebot und Nachfrage, ausgewertet werden konnte, fanden die Projektpartner nachbesserungswürdig. Der Kinderfragebogen entstand.

Dessen 30 Fragen sind inhaltlich dem für die „Großen“ vergleichbar, aber kindgerecht formuliert. Der Fragebogen duzt die Mädchen und Jungen und verzichtet auf abstrakte Begriffe. Das Image von Kirche bewerteten die Kinder nicht auf der Skala von „unsympathisch“ bis „sympathisch“, sondern von „doof“ bis „nett“. Für Angebote in ihrer Altersgruppe konnten sie zwischen „ist mir egal“ und „tut mir gut“ abstimmen, nicht in fünf Abstufungen wie die Erwachsenen, sondern in drei. Die kompaktere Form macht den Vorgang klarer, gerade für die Mädchen und Jungen, die noch nie bei einer Befragung mitgemacht haben.
Nikita Katsuba und Gero Menzel berücksichtigten sozialwissenschaftliche Quellen, die sich mit der Entwicklungspsychologie von Kindern befassen: Spracherwerb, Kognition, Alter, Lesekompetenz. Nicht unwichtig, schließlich hat Kirche ihren eigenen Wortschatz: Was verstehen Kinder, wenn jemand ihre „konfessionelle Verbundenheit“ bewertet haben will? Die Kinder-Antworten auf den Frage „Fühlst du dich in der Kirche zu Hause?“, brachten wiederum die Forscher zum Lachen. „Kinder denken nicht in großen Zeitabständen und ob sie früher verbundener waren als jetzt. Kinder leben im Heute und reden auch so“, schildert Nikita Katsuba. Entsprechend reagierten die jüngsten Evaluationsbefragten mit: „Aber ich wohne doch gar nicht in der Kirche?!“ Am Ende lief es aber rund, denn die überwiegende Meinung der Kinder lautete: In der Kirche wohnt sich’s gut. Übersetzt: Wir fühlen uns verbunden.
„Aber ich wohne doch gar nicht in der Kirche?!“
96 Kinder im Grundschulalter haben den Fragebogen online ausgefüllt und bei der letzten Frage („War der Fragebogen einfach oder schwer?“) den lachenden Smiley angeklickt; für: einfach! Eine erwachsene Bezugsperson mussten vorab der Teilnahme des Kindes zustimmen. Dass die Mädchen und Jungen nach ihrer Meinung gefragt wurden, sprach alle Generationen an. Davon zeigte sich auch die Synode beeindruckt. Die Unvoreingenommenheit der jungen Herforderinnen und Herforder ist eine Chance für den Strukturprozess der Kirche.
Text: Tanja Kasischke // Fotos: pr