Das Institut für Kirche und Gesellschaft (IKG) der Evangelischen Landeskirche von Westfalen analysiert gemeinsam mit impaekt seine gesellschaftlichen Wirkungen und entwickelt seine Programme zielgruppenorientiert weiter. Es geht um die zentrale Frage, wie kirchliche Bildungsarbeit künftig auch unter veränderten Bedingungen Familien stärkt.
Wenn der Vater mit dem Sohne – oder der Tochter – Zeit verbringt, steht ein kirchlicher Bildungsauftrag dahinter. Heute selbstverständlich, vor zwei Generationen undenkbar. Dass Vater-Kind-Arbeit lange eine Nische war, die ausschließlich Kirche ausgefüllt hat, ist ein ebenso starkes wie überraschendes Statement. Das gilt auch für die Alleinerziehenden-Arbeit. „Wie lässt sich nachvollziehbar zeigen, was Kirche für Familien und die Gesellschaft da leistet?“, fragt Dr. Christiane Spieker. Sie ist stellvertretende Leiterin und Geschäftsführerin des Instituts für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen in Villigst. Es befragt aktuell seine Mitarbeitenden der Familienbildung, wie wirksam sie ihre Angebote einschätzen. Denn Zugpferd oder nicht; Kirche muss sich messen und „auf dieser Grundlage Angebote entwickeln, die in ihren Wirkungen bestmöglich zu den Erwartungen und Bedarfen der Menschen in unserer Gesellschaft passen“ – so Dr. Christiane Spieker.
„Es ist ein Verdienst von Kirche, dass Familienbildung heutzutage im gesellschaftlichen Bewusstsein mitgedacht wird. Das heißt jedoch auch, dass uns andere Anbieter eingeholt haben“, ordnet Katrin Köster ein. Sie ist Geschäftsführerin der Evangelischen Erwachsenen- und Familienbildung Westfalen und Lippe e.V. (eEFB) und am Thema Wirkungsanalyse genauso interessiert wie Dr. Christiane Spieker. Beide Einrichtungen sind miteinander vernetzt: Das landeskirchliche Institut ist über die Mitgliedschaft in dem von der westfälischen und lippischen Landeskirche mitgetragenen Verein durch Weiterbildungsmittel co-finanziert.

Die Frauen denken strategisch: Lange in Bereichen gesellschaftlicher Verantwortung und Bildung beheimatet wissen sie, „dass attraktive Angebote sozialraumorientiert sind und Kirche positiv erfahrbar machen, auch wenn die Teilnehmer*innen keine Gottesdienste besuchen. Jetzt geht es darum: „Was hat Kirche davon, Familienbildungsangebote zu initiieren? Wo sagen Familien: Das bekommen wir nur hier“, erklärt Dr. Christiane Spieker. „Die Wirkungsanalyse soll den impliziten Nutzen explizit machen.“ Anders gesagt: Bisher war Kirche erlebbar, nun wird sie zugleich verstehbar. Das festigt ihren Markenkern. Und es spielt den Entscheiderinnen gute Argumente in die Hände, Familienbildung stark zu machen.
Anlass für die inhaltliche Scharfstellung in Villigst ist die Frage, wie die zunehmend knapper werdenden finanziellen Ressourcen in der Familienbildung zielgerichtet eingesetzt werden können und sich parallel dazu deren Wirksamkeit erhöht: Die Vielfalt an Kursen und Veranstaltungen möchte der Träger nicht missen, zugleich schreibt Spardruck im Raum der Kirche einen ressourcenorientierten Kurs vor. Dabei zielt der Prozess dahinter auf Wachstum ab, indem Kirche ihren Bildungsauftrag selbstbewusst am Markt darstellt.
Als gelernte Ökonomin hat Dr. Christiane Spieker mit unternehmerischer Kirche keine Berührungsängste. „Gerne würde ich gegenüber Entscheidungsträger*innen fundiert begründen, wofür und warum wir das Geld brauchen und welche Implikationen Angebote der Familienbildung für Kirche und Gesellschaft haben.“ Dass die Mitarbeiter*innen in der evangelischen Familienbildung indes für die Wirkungsanalyse gewonnen werden müssen und der Prozess Zäsuren aufwirft, weil er Loslassen beinhaltet, ist ihr bewusst. Dass emotionale Gespräche die Befragungen begleiten, auch. Das ist das Team bereit, auszuhalten. „Die theologische Sicht auf die Wirkung kirchlicher Leistungen sagt häufig aus, dass alles gleich wichtig ist. Das macht es schwer, zu gewichten.“ Darum aber gehe es jetzt.

Katrin Köster springt der Kollegin bei: „Wir wollen gemeinsam Familienbildung neu denken.“ Angebote, die ihre Zeit hatten, würden in gutem Maß abgeschlossen; andere neu konzipiert, dass sie den Auftrag von Kirche in gegenwärtigen gesellschaftlichen Räumen klar wiedergeben. Das nimmt weder den strukturellen Druck aus den Prozess noch den emotionalen Austausch. Der Austausch mit den Mitarbeiter*innen der Familienbildung– und dem impaekt-Team – sei daher äußerst wertvoll. Wirkungspotential entfalte sich mit der Haltung, „erst Bewusstsein, dann Methode“, fasst Katrin Köster zusammen. „Die Erkenntnisse sind maßgebend für gestalterisches Handeln in Kirche und Gesellschaft“ – so Dr. Christiane Spieker – und verlangen nach einer „interdisziplinären Vision für die Kirche der Zukunft“ – so Katrin Köster.